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Imkerei auf Probe

Bericht einer Imkerin die durch diese Aktion Ihre Liebe zu den Bienen entdeckte...

„Sie sind Imker? Das ist ja interessant. -Mein Vater hatte auch Bienen, wir mussten immer aufpassen nicht zu dicht an die Bienenstöcke zu gehen, sonst wurden wir gestochen. Doch beim Honigschleudern halfen wir mit und kauten das Deckelwachs aus--- mmh lecker.“ Da waren plötzlich wieder alle meine schönen Kindheitserinnerungen an den Geschmack und den Duft des Honigs.

Durch einen Zufall traf ich Willi. Er erzählte mir von dem Probeimkerjahr im Imkerverein Wolfsburg. Ich war sofort begeistert,- das wollte ich auch mitmachen.

Zuhause besorgte ich mir über das Internet ein Imkerhemd mit Schleier, eine weiße Hose hatte ich noch und als Handschuhe sollten neue Gartenhandschuhe reichen. So ausgerüstet wartete ich auf die ersten schönen warmen Tage im März. Doch erst im April war es in diesem Jahr so warm, dass ich mich mit Willi an seinem Bienenstand treffen konnte. Aufgeregt fuhr ich zu Willi. In Gedanken schweifte ich wieder zu den Bienen meines Vaters. Wie wird das werden, wenn ich direkt ganz nah bei den Bienen bin? Es war schon ein beklemmender Gedanke.

Von Willi wollte ich für dieses Jahr ein Bienenvolk mieten, an dem ich das Jahr mit seiner Hilfe imkern lernen konnte. Im Garten summte es schon im Hintergrund, als mir Willi die wichtigsten Verhaltensweisen am Bienenstock erklärte. Ruhe bewahren, keine hektischen Bewegungen- nicht nach den Bienen schlagen, -nicht vor dem Flugloch stehen und -vorausschauend die Arbeitsschritte planen um sein Arbeitsgerät mit am Stand zu haben. Nach der kurzen Einweisung ging es auch schon los in Richtung Bienen. Willi war normal angezogen mit Hemd und Hose und ich folgte ihm in meiner vollen Imkerkluft. Wir konnten unterschiedlicher nicht aussehen.

Als wir um die Hecke herum kamen standen wir plötzlich bei den Bienen. Dort standen fünf Völker auf Holzgestellen im Winkel aufgestellt auf dem Stand. Die Bienen flogen friedlich ihrer täglichen Arbeit entgegen oder kamen schwer beladen wieder in den Stock. Sie ließen sich gar nicht von uns stören. Ich nahm einen tiefen Atemzug und stellte mich mit gehörigem Respekt schräg hinter Willi. Er machte den Bienenkasten auf und erzählte mir weiter die wichtigen Details über die Bienen und ihr leben im Volk. Seine Ruhe, mit der er an den Bienenstock arbeitete, ging langsam auch auf mich über. Als er sein Volk fertig durchgesehen hatte war ich dran. Mein Volk sollte nun von mir durchgesehen werden. Die Handgriffe, die ich vorher bei Willi gesehen hatte, sollte ich nun unter seinen wachsamen Augen machen, begleitet von vielen guten Tipps, wie ich mir die Arbeit mit den Waben am Bienenstand erleichtern kann. Also noch mal tief durchatmen und los.

Es war ein seltsames Knistern zu hören als ich die erste Wabe herauszog. Und das Gewicht einer Wabe erstaunte mich. So viele Bienen, wie sollte ich da die Königin finden.

Und es kam wie es kommen musste, durch die Handschuhe spürte ich die Biene nicht. Als ich sie drückte stach sie mich durch den Handschuh. Der Rat von Willi, einfach mit dem Fingernagel den Stachel heraus zu ziehen und weiter nicht beachten, half. Ich zog auch noch die restlichen Mittelwände bis das Volk durchgesehen war. Wir beendeten die Arbeiten an meinem Bienenvolk, packen die Sachen zusammen und setzten und noch mal zusammen für eine Nachbesprechung.

Willi erzählte mir über das Bienenvolk so viel neue und interessante Dinge. Ich bekam nur noch mehr Hunger auf mehr Wissen von diesen intelligenten Bienenstaaten. In schriftlichen Unterlagen konnte ich alles noch mal Nachlesen. Als ich mich von Willi verabschiedete und nach Hause fuhr schwirrten mir die Geräusche von den Bienen noch in meinen Ohren vermischt mit den vielen schönen Eindrücken des ersten Treffens.

So fuhr ich, stolz auf mich, mit einem leicht dicken Finger, nach Hause. Und ich freute mich darauf schon bald wieder zu kommen um weiter zu imkern.

Abhängig von Wetter und den Temperaturen fuhr ich nun regelmäßig zu Willi. Das imkern am Bienenvolk wurde sicherer. Die Nervosität schwand, meine Handschuhe habe ich bald weggelassen, nur die tiefen Atemzüge, um mich zu beruhigen, blieben bis heute noch.

Meine Aufmerksamkeit konnte ich bald mehr auf anderen Dingen richten. Wenn ich den Stock aufmache kommt mir der Duft des Bienenvolkes entgegen gleichzeitig mit dem Summen der Bienen. Als nächstes spüre ich die Wärme der Bienen an meinen Händen. Diese Sachen schon allein verstärken meinen Wunsch weiter zu imkern.

Bei den weiteren Treffen habe ich die einzelnen Arbeitsabläufe im Jahreslauf kennengelernt. Die Bienenvölker durchsehen, arbeiten mit dem Schied, langsam dem Volk mehr Raum geben, die unterschiedliche Nutzung der Waben als Brut- und Honigwabe, die einzelnen Stadien der Eier und Larven, Weiselzellen herausnehmen, umweiseln, Königinnen markieren, Honigwaben aufsetzen, und, und, und.

Ich sah eine Arbeiterin schlüpfen, in welch Mühsamerweise sie sich aus ihren Zellen heraus befreiten, wie sich die Bienen gegenseitig mit Nektar füttern, den Schwänzeltanz der Bienen, den Kranz von Bienen um die Königin herum.

Für mich stand schon fest, dass ich weiter imkere, und in den Verein eintreten werde. So machte ich mir von meinem Wirtsvolk ein Ablegervolk.

Es ist ein großer Unterschied zwischen dem Wirtschaftsvolk und meinem Ableger. Nun hatte ich immer 2 Völker durchzusehen. Im Wirtsvolk waren nun schon so viele Bienen, dass es gar nicht so leicht war die Königin zu finden. Die Honigräume wurden so schwer, dass ich mir über meine eigene Ausrüstung Gedanken machte. So entschloss ich mich auf 1 ½ Maß im Brutraum und ½ Maß im Honigraum zu gehen, damit ich meine Honigräume auch jederzeit alleine herunterheben konnte. Auch half mir Willi bei der Wahl des richtigen Standorts für meinen Bienenstand.

Da Willi viel Erfahrung in der Imkerei hat zeigte er mir so einige Sachen nebenbei., z.B.: die Königinnenzucht in den kleinen Kästen, die Königinnen in ein neues Volk umsetzen, Bienenweiden, Gerätschaften um Rähmchen zu drahten, sinnvolles Werkzeug, und ich lernte andere Imker vom Verein kennen…

Dann kann die erste Honigernte. Zur Hilfe und zum Naschen hatte ich meine Tochter Briga mitgebracht, die auch schon des Öfteren mit zum Imkern gekommen ist. Erst mussten die Honigwaben aus dem Bienenvolk entnommen werden. Es flogen von Wabe zu Wabe mehr Bienen in der Luft. Doch zu dritt war es gut geschafft die Honigräume fast Bienenfrei in den Keller zu bekommen.

Dann ging die schöne Arbeit los. Entdeckeln! Briga war begeistert und meine Kindheitserinnerungen wurden wieder wach. In Willis Keller, mit einem gut eingerichteten Honigraum, ging das Schleudern gut von der Hand. Diesen Geräusch, wenn der Honig an die Innenwand der Schleuder fliegt,, die Farbe, wenn der frische Honig aus der Schleuder herausquellt und in den Eimer läuft, dass sind beeindruckende Erlebnisse während der Deckenwachs im Mund ausgekaut wird.

Die Ernte hat sich gelohnt, wir fühlten uns wie mit Honig übersprenkelt, der Bauch war voller ausgekautem Deckelwachshonig und der Eimer voller frisch geschleudertem Frühtrachthonig. Der Rest der Familie Zuhause staunte nicht schlecht über den Honigeimer.

Das Imkern ging weiter, die Griffe wurden sicherer, die Bienen mir vertrauter, und meine Schutzkleidung nahm ab. Natürlich bekam ich auch noch Stiche, doch auch die Angst vor den Stichen wurde weniger. Und wenn dann mal eine Biene in der Kleidung krabbelt, öffnet ich halt die Kleidung um sie wieder heraus zu lassen.

Glücklicherweise gab es die Möglichkeit für mich an einem Honigkurs teilzunehmen bei Udo Dansberg, einem leidenschaftlichen Imker mit viel Wissen über den Honig und einer Gabe des Erzählens.

Viele von den Probeimker/innen waren da. Wir saßen bei Dansbergs auf der Veranda bekamen leckeren Honigkuchen und einen Topf mit Udos Waldhonig auf den Tisch gestellt und so konnten wir die Unterlagen über den Honigkurs durchgehen. Mit eigenen Erlebnissen aus Udos Imkerzeit gewürzt schafften wir die Unterlagen wie im Fluge. Es war ein unvergessener Nachmittag für mich.

Nun bin ich offiziell berechtigt die Deutsche Imkerbund -Gläser mit Banderole zu benutzen um meinen Honig zu vermarkten.

Es wurde nicht langweilig, bei jeden Treffen bei Willi gab es immer wieder was dazu zu lernen. Der Sommer zog ins Land und während Zuhause der erste Honig gerührt und abgefüllt wurde waren die Bienenfleißig dabei die Sommertracht einzuholen. Ich brachte manchmal meinen Kinder mit zu den Treffen. Sie durften mir dann Helfen und den Smoker betätigen. So begann die Begeisterung meiner Kinder für die Imkerei.

Das Jahr ging viel zu schnell um.

Als Abschluss des Imkerjahres trafen sich alle Probeimker mit ihren Imkervätern noch mal alle bei Christian Fischer. Nachh einem leckeren Grillabend und vielen Gesprächen mit den anderen Imkern gab es noch eine Mappe für uns über das Grundwissen der Imkerei.

Heute imkere ich in meinen Garten mit meinen Bienen. Meine Tochter Briga hat einen Bienenstock übernommen, den sie bewirtschaftet. Und Björn, mein jüngster, wartet auf des nächste Frühjahr, wo er endlich auch ein Volk bekommt, das er mit mir zusammen bewirtschaftet.

Der Honigverbrauch in unsere Familie ist gestiegen, jeder hat so seinen eigenen Lieblingshonig. Wir probieren neue Rezepturen mit dem Honig aus und ich kann mir es nicht mehr ohne eigenen Honig vorstellen.

Wenn ich mal nicht mehr weiter weiss oder unsicher werde kann ich mich an Willi wenden, das gibt mir einen guten Rückhalt und Sicherheit.

Vielen Dank an Willi Schedler. Für Deine vertrauensvolle und liebe Art mit den Bienen umzugehen hast du uns angesteckt und mir eine guten Start gegeben meine Bienen gut zu betreuen. Es ist ein schönes Hobby für mich geworden. Danke an den Imkerverein, der mit seinen guten Gesprächskreisen uns immer auf den neusten Stand hält. Und mit seinem guten Austausch und Anregungen die Gemeinschaft pflegt.

 

Ihre
Anne Stüwe